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Mit heißer Nadel gestrickt?

Text u. Fotos von Eberhard Holin
 

Fall I
Erste Veröffentlichung

Auf der HP der IG Welsh findet sich seit dem 21.August 2007 folgender Eintrag:

„Drei Weltmeisterschaften für die vielseitigen Welsh! Die Weltmeisterschaften für Ponyfahrsport fanden vom 19. – 22. Juli 2007 in Dänemark statt. Das Gut Dorthealyst in Mørkøv – des ehemaligen Geburtsxortes der Kladruber-Rasse – wurde dafür von Frau Marianne Seidenfaden zur Verfügung gestellt. Sie ist Welsh-Pony- und -Cob-Züchterin, internationale Welsh-Richterin (Belgien, Groenendaal), Pony-Fahrerin und frühere Vorsitzende der Dänischen Welsh Pony und Cob Society...“

Zweite Veröffentlichung

Diese Information ist auch als wortgleicher Bericht in Welsh aktuell zu lesen, Ausg. Sept. 2007, 12. Jhg., S. 52.

Dritte Veröffentlichung

Unter dem Emblem u. der postalischen Anschrift der IG Welsh findet sich dieser Text außerdem als Pressemitteilung der IG Welsh in der ersten Ausgabe der neuen Zeitschrift „Reitpony.info“ aus der Kretzschmar Verlagsgesellschaft mbH, Münster, Ausg. Dez./Jan. 2007/2008, S.29. Der ursprüngliche Text hat in dieser Drucklegung eine leichte Änderung erfahren. Hier heißt es jetzt unmissverständlich deutlich: „Das Gut Dorthealyst in Mørkøv - der Geburtsort der Kladruber-Rasse - ...“


Der Gutshof „Dorthealyst“, von 1799-1800 als Witwensitz in der Gemeinde Knabstrup erbaut. Hier wurden Knabstrupper gezüchtet, eine bekannte dänische Pferderasse.

Dazu einige Klarstellungen:
  1. Das Gut „Dorthealyst“ liegt auf dem Gebiet des Ortes „Knabstrup“. Knabstrup gehört zur politischen Gemeinde Mørkøv. Die Häuser von Knabstrup liegen vom Fahrgelände des Gutes Dorthealyst knapp 300 m entfernt. Dorthealyst war früher im Besitz von Frau Marianne Seidenfaden. Der derzeitige Besitzer ist ihr Sohn Kristoffer, der das Gut zusammen mit seiner Frau (gebürtige Australierin) bewirtschaftet. Zur Zeit werden auf Dorthealyst Welsh-As, Welsh-Cs und Welsh-Cobs gezüchtet. Knabstrupper sind derzeit auf dem Gut nicht zu finden.
  2. Als Zuchtstätte der „Knabstrupper“ gilt vor allem das alte Gut Knabstrupgaard. Dieses Gut liegt etwa 1-2 km von Dorthealyst entfernt. Es gehört zu den ältesten Gutsanlagen Dänemarks (schon 1200 erwähnt). Von Knabstrupgaard aus wurde Dorthealyst von 1799-1800 als Witwensitz gegründet. Auch auf Dorthealyst wurden in den Folgejahren „Knabstrupper“ gezüchtet. Im Veranstaltungskatalog der Pony World Driving Championships 2007 findet sich die Information „The farm (Dorthealyst) also functions as a base with clubrooms for Denmark`s eastern most driving society Dansk Køre Selskab. Auf Dorthealyst fanden auch die Scandinavian Driving Championships in 2005 statt.
  3. Die Heimat der „Kladruber“ ist Tschechien/Ostböhmen. „Kladrub“(Kladruby) gilt als das älteste Gestüt der Welt. Das alte Kladruby, nahe Kolin, wurde 1579 von Kaiser Rudolf II. als kaiserliches Hofgestüt mit der Aufgabe gegründet, mächtige, repräsentative Schimmel für die Karossen des Prager Hofes zu züchten. Der Altkladruber wird in den Farbschlägen Schimmel und Rappen gezüchtet. Auch Brehm sind die Kladruber aus dem alten Wien nicht unbekannt. Er schreibt: „...wenn man vor einem Wiener Hofwagen ein Paar der mächtigen, bis 1,86 m hohen, langmähnigen Kladruber Schimmel oder Rappen über die Ringstraße gehen sieht in der geschichtlich berühmten „runden Aktion“ der hoch emporgehobenen Vorderbeine,“ Brehms Tierleben, 12. Bd., Leipzig 1925, S.688.
  4. Das junge „Nationalgestüt Kladruby nad Labem“ gliedert sich seit 1992 in zwei Betriebe. Auf dem nahe bei Kolin gelegenem Kladruby nad Labem erfolgt die Zucht der Altkladruber Schimmel, die Zucht der Rappen hingegen auf dem Gestüt Slatinany, ca. 12 km südlich von der Stadt Pardubice. Die Hauptaufgabe des Nationalgestüts Kladruby nad Labem ist die Zucht und Erhaltung der Altkladruber Pferderasse (Fahrpferde mit imposantem Trab, die nicht nur am königlich dänischen Hof eingespannt werden, sondern auch auf internationalen Fahrturnieren Erfolg haben). Die Altkladruber wurden 2002 zum nationalen Kulturdenkmal erklärt. Das Nationalgestüt untersteht dem Landwirtschaftministerium in Prag.

    Heute umfasst der Pferdebestand auf Kladruby(1200 ha) 300 und auf Slatinany(300 ha) 250 Tiere. Weltweit sind derzeit ca. 1100 Altkladruber registriert, rd. 50% davon werden im Nationalgestüt gehalten.

Fazit

Die Kladruber stammen aus Tschechien, sie sind eine „tschechische“ und keine „dänische“ Pferderasse. Die Wiege der „Knabstrupper“ stand im dänischen Knabstrup, daher wurden die dort gezüchteten charakteristischen Pferde „Knabstrupper“ genannt. Sie gelten als „dänische“ Pferderasse.

Quelle
www.nhkladruby.cz/de (Kladruber)
www.pferde-pferderassen.de (Kladruber)
www.pferde-pferderassen.de (Knabstrupper)
www.das-spanische-pferd.de/Rassen/Knabstrupper.html

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Fall II

In den oben genannten Texten auf der Webseite der IG, in Welsh aktuell und in der neuen Zeitschrift „Reitpony.info“ , findet sich u. a. die Formulierung:

„Die Weltmeisterin im Zweispännigfahren Miranda Cadwell aus den USA hatte einen palominofarbenen Welsh-B-Wallach und einen deutschen Reitpony-Schimmelwallach angespannt.“

Tatsache ist, dass diese Feststellung nur für die Anspannungen in der Dressur und im Kegelfahren gilt. Miranda Cadwell hat in der Marathonfahrt die Anspannung Palomino Welsh-B/Palomino Welsh-B gefahren. Die USA-Fahrerin hatte zur Teilnahme an der WM drei Ponys gemeldet (2 Welsh-B-Palominos, 1 German Riding Pony/Schimmel).



Miranda Cadwell/USA fuhr in der Dressur und beim Kegelfahren
einen Palomino-Welsh-B-Wallach u. einen Schimmelwallach(DR)


Miranda Cadwell mit Toby und Topas, 2 Palomino-Wallache, im Marathon.
Mit drei Ponys holte sie die Einzelmedaille in Gold bei den Pony-Zweispännern.

Vgl. dazu die Fotos zu den Berichten „WM in Dänemark“ in der Fotosammlung auf www.welsh-pony.de
Cadwell Miranda Dressur 5737, 5748, 5752 Kegel 8031,8046, 8047, 8049, Marathon 7216, 7219, 7223, 7226, 7271

Alle drei Veröffentlichungen sind jeweils mit einem identischen Foto von Jan de Boer und seinem Viererzug abgedruckt. Das Foto stammt von Theo ten Brinke, einem bekannten holländischen Welsh-Fotograf. Theo ten Brinke habe ich auf der Pony-WM 2007 in Dänemark nicht getroffen. Das veröffentlichte Foto ist nicht bei der WM in Dänemark aufgenommen worden.

Siehe auf www.welsh-pony.de fünf Fotos von Jan de Boer in der Dressur und sechs im Kegelfahren bei der Pony-WM 2007 in Dänemark.


Jan de Boer/Ned in der Dressur mit seinem Welsh-A-Viererzug
bei der Pony-WM in Dänemark, Gewinner der Einzelmedaille in Gold


Jan de Boer, beim Kegelfahren bei der Pony-WM in Dänemark 2007

 

Fall III

In der letzten Ausgabe des Pferdemarkts findet sich ein Bericht über die Bundesschau der IG Welsh in Ostbevern 2007, ohne Namen des Autors, siehe Pferdemarkt, Ausg. Nov./Dez. 2007, S.57. Dem Bericht sind 3 Fotos beigegeben, ebenfalls ohne Namen des Fotografen. Die Urheberschaft von zwei Fotos ist geklärt. Eins (Siegerin des Kinderpony-Championats) findet sich mit Nennung der Fotografin in dem Bericht „31.Bundesschau der IG Welsh“, in Welsh aktuell, Sept. 2007, S.19, ein anderes (Bundesgesamtsieger) in dem Bericht über die Welsh-Bundesschau in Kleinpferde , Ausg. Okt./Nov. 2007, S.53. Auch das dritte Foto mit der Siegerin im Freizeitreiter-Championat kann nach m. A. getrost dieser Urheberin zugerechnet werden.

Im Pferdemarkt lautet die Bildunterschrift unter dem Foto des „Bundesgesamtsiegers“:

Bundesgesamtsieger beim Welsh-Championat: der 13-jährige Welsh-Cob-Hengst Deroks Mister Milten von Hondrsrug Flamingo/Pendock Plato.

Diese Bildunterschrift enthält drei(!) Fehlinformationen:

  1. Der Welsh-Cob-Hengst Deroks Mister Milten wurde 2000 geboren. Er kann also bei Drucklegung des Artikels in 2007 noch keine 13 Jahre alt sein, 2003 ist er gekört worden.
  2. Das holländische Präfix heißt Hondsrug (und nicht Hondrsrug).
  3. Die in der Unterschrift genannten Vatertiere sind Welsh-B- und keine Welsh-Cob-Hengste.
Im Text des Pferdemarktberichts werden nur 12 Zeilen unter dieser völlig missglückten Foto-Unterschrift die beschriebenen drei Fehlinformationen noch einmal wiederholt:

„Den begehrten Titel des Bundesgesamtsiegers erhielt der 13-jährige Welsh-Cob-Hengst Deroks Mister Milten von Hondrsrug Flamingo/Pendock Plato.“

Bekanntlich handelt es sich bei den an dieser Stelle fälschlich genannten Vatertieren um zwei Welsh-B-Hengste, die unmöglich als Vatertiere im Pedigree des Welsh-Cob-Hengstes Deroks Mister Milten auftauchen können. Deroks Mister Milten stammt von Menai Sparkling Magic(D), seine Mutter ist Deroks Welsh Model(D), geb.1996, von Thorneyside Spring Magic(D), geb.1989. Im Pedigree des Welsh-Cob-Hengstes ist kein Welsh-B-Blut zu finden.

Siehe Infos zu diesem Hengst in dem Bericht „Deroks Mister Milten“ auf www.welsh-pony.de aus dem Jahr 2006.

Allerdings findet sich im Pedigree der Welsh-B-Stute Hoekhorst Nathalie of Rose, geb.1993, der Tagessiegerin der Welsh-Bundesschau von 2006, als Vater der Welsh-B-Hengst Hondsrug Flamingo, geb.1986, und als Vater ihrer Mutter Home T Ranch Nonna der Welsh-B-Hengst Pendock Plato, geb.1980.

Wer hat da was zusammengeworfen, das nicht zusammengehört? Selbst auf der letzten Vorstands- und Beiratssitzung in Alsfeld konnte der Autor dieses Berichtes nicht benannt werden. Wer zeichnet für Pressemitteilungen der IG Welsh verantwortlich?

Mehr Sorgfalt bei der Recherche

Im Protokoll der Delegiertenversammlung von 2006 ist nachzulesen:

„Herr Prof. Bauer bittet darum, zukünftig für das Jahrbuch eingesandte Artikel sorgfältiger zu recherchieren, da ...im Jahrbuch 2005 einige Unkorrektheiten vorhanden sind“, Welsh aktuell, Ausgabe Juni 2006, 11.Jhg., S.13.“

Diese Forderung „nach mehr Sorgfalt bei der Recherche“ gilt in gleicher Weise für Pressemitteilungen jedweder Art.

Erinnern Sie sich noch an die Story von Criban Victor, der unbekümmert und heiter „ohne Cob-Blut“(!) 2002 durch unser Welsh-Jahrbuch trabte?

„Die Geburt von Criban Victor bietet den Züchtern der Sektion B einen wertvollen Outcross, denn sein Pedigree war frei von Cob-Blut“, Welsh-Jahrbuch 2002, S.114, 3.Sp. .

Als Reaktion auf diese unglaubliche Erkenntnis erhielten wir aus Wales im März 2002 folgende e-mail (Auszug):

„…Everyone knows Criban Victor had cob breeding…I can never understand why people take it upon themselves to write on a subject about which they know nothing.“

Hier findet das schon geflügelte Wort echte Grenzen:
„Wir machen so weiter, wie bisher.“