| Fotoseite | Berichte/Reports | Fotos | ||||||
Dänemark war eine Reise wertText und Fotos: Eberhard Holin
Nach Bestätigung meiner Akkreditierung als Fotograf und Berichterstatter durch das dänische Press Office wurden die nächsten Schritte erledigt, die Redaktion von "Reiter und Pferde in Westfalen" hatte die entsprechende Bescheinigung gestellt. Über das Internet fand ich ein B&B-Domizil in Knabstrup, nur 4 km vom Veranstaltungsgelände entfernt. Nach einer Übernachtung in Lüneburg führte die Fahrt zunächst über Lauenburg auf die A1 Richtung Lübeck und Fehmarn. Gegen 10.00 Uhr traf ich auf Arvalon in der Gemeinde Damlos ein. Das Gestüt liegt nur etwa 5 km von der Autobahnausfahrt Lensahn entfernt. Wie im Jahr 2005 - auf der Fahrt zur nationalen dänischen Welsh-Schau und Hengstkörung in Dorthealyst - wurde erneut die große Welsh-C- und Welsh-D-Herde fürs Fotografieren in Bewegung gebracht. Am Besuchstag zählte sie 28 Stuten und 28 Fohlen. Anschließend präsentierten sich die 12 Welsh-A-Stuten mit ihren Fohlen dem Fotografen.
Über Puttgarden ging es dann mit der Fähre nach Rødbyhavn auf die Insel Lolland und von dort über die Autobahn via Roskilde zur Gemeinde Knabstrup. Nach einigem Suchen fand ich mein B&B Place, eine gute Wahl, wie sie besser nicht hätte ausfallen können. Bei Sickan und Jan Olsen und ihren Kindern und Tinkern ließ es sich gut leben. Voller Familienanschluss einschließlich gemeinsamer Abendessen waren im Preis inbegriffen. Auf dem Schaugrund suchte ich zunächst das Pressezelt, empfing die üblichen Unterlagen (Katalog, Starterliste der Dressur-Einspänner, Armband etc.), und dann machte ich mich mit dem PKW auf ins Fahrerlager, um die deutschen Teammitglieder zu finden. Die Suche dauerte nur kurz. Der Veranstalter hatten den Fahrern, geordnet nach ihren Nationalitäten, die Plätze für ihre Fahrzeuge zugewiesen. Über mehreren Zelten und Trailern flatterten die Nationalfahnen, ansonsten gaben die Nummernschilder und die entsprechenden Nationalzeichen Hinweise auf die Nationalität der Fahrer. Die Ponys waren in großen Stallzelten untergebracht. Im deutschen Lager zog ich von Fahrzeug zu Fahrzeug, sprach mit den Fahrern und ihren Begleitern. Die meisten kannte ich persönlich von den heimischen Fahrturnieren.
Die Einspännerdressur verlief für das deutsche Team enttäuschend. Elke Hillebrandt und Sandra Broichhaus landeten auf mageren Plätzen im letzten Drittel der Platzierten. Mit diesen unerwarteten Ergebnissen war für beide schon zu diesem frühen Zeitpunkt die Erreichung einer Einzelmedaille nahezu aussichtslos, und dem Team brachten diese Platzierungen für die Mannschaftswertung nicht die benötigten Punkte. Am zweiten Tag der Veranstaltung zog dann ein Hauch von Hoffnung durch das deutsche Fahrerlager: Tobias Bücker erzielte in der Dressur den Sieg bei den Vierspännern und Steffen Abicht den dritten Platz bei den Zweispännern. In der anschließenden Pressekonferenz stellten sich die drei Sieger der drei Anspannungsarten den Fragen der Journalisten - darunter auch Tobias Bücker. In schönster Abendsonne erfolgte dann vor voll besetzter großer Zuschauertribüne die Siegerehrung mit umfangreichem Beiprogramm (Königliche Kavallerie in historischen Uniformen, Vorstellung zahlreicher Shettys, etc.). Bei Ehrung der drei besten Vierspänner (1.Pl. Tobias Bücker, GER, 2.Pl. Jan de Boer, NED, 3.Pl. Mia Allo, BEL) wurde beim Aufziehen der National-Flaggen die deutsche Nationalhymne gespielt.
Bei den Einspännern absolvierte Sandra Broichhaus als vierte Starterin mit ihrem bewährten Bodo(DR) die Marathonstrecke, Elke Hillebrandt folgte als Zweiundzwanzigste. Nach der Enttäuschung in der Dressur gingen beide Fahrerinnen (sicher mit dem Mut zum Risiko?) auf die Reise. Bei Sandra Broichhaus sollte diese Rechnung voll aufgehen. Gegen starke Konkurrenz erzielte sie den vierten Platz bei insgesamt 30 Startern. Für Elke Hillebrandt war die Strecke im fünften Hindernis, der Brigde, beendet. Die Brücke befand sich im schattigen Wald. Das Hindernis bestand aus einer längeren Holzbrücke, die über ein tiefes Tal führte, das einem stark abgesenktem und in der Spitze kräftig verjüngtem Trichter glich. Die Brücke musste zweimal passiert werden. Die Strecke führte einen sehr steilen Abhang hinunter und unter der Brücke hindurch und unmittelbar nach Durchquerung der nur wenige Meter langen Talsohle ging es wieder steil den gegenüberliegenden Abhang hinauf. Dabei waren auf halber Höhe zwei leicht versetzte Bäume in leichter Schlangenlinie zu passieren. Im zügigen Tempo brachte Elke Hillebrandt den tiefen Abstieg hinter sich. Beim Passieren der Talsohle nahm sie weitere Fahrt auf, um mit dem nötigen Schwung den steilen Anstieg besser bewältigen zu können. Dabei passierte es. Mit der Londe touchierte sie den letzten Baum. Diese ging vollständig zu Bruch, die Fortsetzung der Fahrt war ausgeschlossen. Durch dieses Malheur fehlten Elke Hillebrandt vier Hindernisse in der Endabrechnung. Auch Anette Holst, dänische Shetty-Vierspänner-Fahrerin, musste später vor dem hohen Schwierigkeitsgrad dieses Hindernisses kapitulieren.
Als achter Starter bei den Zweispännern ging Steffen Brauchle auf die Strecke. Unbekümmert und mit gehöriger Geschwindigkeit passierte er die Hindernisse. Die Anfahrt zum dritten Obstacle, dem weit angelegten Wasserhindernis, führte nur wenige Meter durch einen Wald, und dann erwarteten die zahlreichen Zuschauer eine "normale" Einfahrt ins Wasserhindernis. Statt das nur etwa 1m breite Ufer wie üblich hinunter-, das Wasser zu durchqueren und den gegenüberliegenden kleinen Hang wieder hinaufzufahren, probierten seine beiden Ponys eine andere Variante. Bei der Einfahrt ins Hindernis sprangen beide Ponys vom höher gelegenen Ufer ab, um in hohem Bogen über das Wasser zu setzen. Ungläubig staunten Zuschauer und Fotografen. Trotz dieser Überraschung hielt Steffen Brauchle die Spur und absolvierte alle Tore in bekannter Manier. Die angespannten Shettys von zwei Vierspännern zeigten bei dieser WM wenig Neigung, das Wasser zu durchqueren. Immer wieder drehten die Vorderpferde ab, und unter den lauten Anfeuerungsrufen der starken Zuschauerkulisse auf der voll besetzten Tribüne mussten mehrere Versuche gestartet werden. Immer wieder wehrten sich die Gespanne durch die vorgeschriebenen Tore ins Wasser einzufahren, ein großes Gaudium für die Zuschauer. Auch Sandra Broichhaus schloss beim Kegelfahren ihre ansonsten gute Vorstellung mit einer nicht erwarteten Variante ab. Etwa 30 m vor dem Passieren der Ziellinie donnerte sie mit hoher Geschwindigkeit über die zu passierende kleine Holzbrücke, um dann beim Kampf um kurze Zeiten in der freien Strecke noch mehr Fahrt aufzunehmen. Statt nun das weitgeöffnete Ziel in gerader Linie zu passieren, zog sie urplötzlich links am linken Pfosten der Meßanlage vorbei, ein Raunen ging durch die Zuschauer, und auch die Fotografen konnten diese Richtungsänderung nicht fassen. So musste Sandra Broichhaus ihr Gespann durch eine Volte zurücksetzen und vor der Linie neu positionieren, um dann endlich das Ziel ordnungsgemäß passieren zu können. Da konnten nur die Nerven bei der routinierten Fahrerin bloßgelegen haben.
Wegen des unaufhörlich niedergehenden Regens am letzten Tag der WM musste die abschließende Siegerehrung in das Festzelt verlegt werden, in dem am Abend zuvor die rauschende "Ball-Nacht" der Nationen stattgefunden hatte. Die Veranstalter hatten schnell ein Siegerpodest aufgestellt und das Podium mit Fahnen und Blumen geschmückt. Die Medaillen und Ehrengaben wurden auf Tischen ausgestellt. Das Zelt war mit den fahnenschwenkenden Begleitmannschaften bis auf den letzten Platz gefüllt. In der Mitte wurde für den Einzug der Honoratioren und der Medaillengwinner eine Passage freigehalten. Unter freundlichem Applaus zog die Königliche Hoheit ein, Prinzessin Benedikte, Schwester der dänischen Königin. Die obligatorischen Reden wurden gehalten. Konsequent wurde von durchsetzungsfreudigen Ordnern auf die Einhaltung eines breiten Sicherheitsabstandes zwischen der Royal Highness und den Fotografen und dem Volk geachtet. Die Prinzessin verteilte mit ständig dem Publikum zugewandten Rücken die Medaillen. Nur einmal sollte mir ein Foto von der Prinzessin im Seitenprofil mit Thomas Köppen gelingen. Die Nationalhymnen wurden gespielt, darunter zweimal die deutsche Hymne, einmal zu Ehren von Steffen Brauchle und seinem Sieg beim Hindernisfahren und einmal für den Sieg der deutschen Mannschaft in der Nationenwertung. Die entsprechenden Nationalfahnen wurden an der Stirnwand des Zeltes aufgezogen. Ein gemeinsames Foto der Prinzessin mit den Medaillengewinnern kam leider nicht zustande, dafür gab es Gruppenfotos aller Mannschaftsmitglieder. Dann ging es wieder hinaus in den strömenden Regen, und für mich auf die etwa 780 km lange Heimreise mit rd. 2000 Fotos auf meinen Speicherkarten und vielen vielen Eindrücken Die siegreichen Mannschaften Ein Reisebericht | ||||||||